Wissen und Verstehen sind der erste Baustein für jede Veränderung. Hier erfährst du das kleine 1 x 1 der Emotionen, so dass du dich noch effektiver mit ihnen zusammentun kannst in deinem Arbeiten.
Oder warum du aufhören solltest, auf die einsamen Held:innen zu warten
Wir hören einfach die falschen Geschichten. Der einsame Held, manchmal sogar die Heldin, eilen herbei und retten alle. Von der Bedrohung. Von den Bösen. Oder dem einen Bösen oder Oberbösen (einzeln ist immer imposanter). Und wenn der eine nicht kommt, dann sind wir alle verloren. Weil es kann ja nur einen geben. Einen, der alle Fähigkeiten, die man zur Besiegung des Bösen oder zur Lösung des Problems braucht, in sich vereint. Ein bisschen reicht nicht. Alles oder nichts. Schwächen jeglicher werden überwunden. Allein dafür ist die gesamte Reise des Helden da – für alle Prüfungen und Bedrohungen gewappnet zu sein. Für immer.
WTF.
Und so wartest du. Auf die eine Person. Auf die eine Lösung. Im Außen. Wie im Inneren.
I need a hero
I’m holding out for a hero ‚til the morning light
He’s gotta be sure, and it’s gotta be soon
And he’s gotta be larger than life
Und was Gefahr für uns bedeutet, entscheiden wir ganz allein.
Ich habe einen ganz bestimmten Maßstab, nach dem ich entscheide, ob ich ein Outdoor-Abenteuerbuch über Seite 10 hinaus lese oder nicht: wie mit dem Thema ‚Frauen allein unterwegs‘ umgegangen wird.
Alle, die so tun, als ob es für alleinreisende Frauen und Männer keinen Unterschied gebe, gehen gleich zurück.
Alle, die die Angst der Frauen unterwegs, versuchen zu ‚wegrationalisieren‘ mit dem Satz: ‚Na, nachts im Stadtpark ist es gefährlicher für dich. Wer soll denn da nachts im Wald auf dich warten‘, auch. Das tun, übrigens, auch Frauen.
Ich war eine von ihnen.
Bei meinen Fernwandertouren werde ich immer wieder nach der Angst gefragt. Vor allem von Frauen. Hinter vorgehaltener Hand. Heimlich.
Sie würden ja auch gern. Aber so allein im Wald. Nee, das ist ihnen nix.
Und dann habe ich immer den Stadtpark Vergleich angebracht. Es sollte ermutigend klingen.
Aber…
Das ist Blödsinn. Ich würde nie im Stadtpark alleine übernachten. Ich wäre gern eine, die nachts allein im Wald übernachten kann. Oder auf der Wiese. Was für Touren wären mir dann möglich! Und wie viel Geld würde ich sparen und könnte damit meine Reisezeit verlängern!
Aber…
Was wir hinter vorgehaltener Hand nicht benennen, ist wovor wir Angst haben. Das brauchen wir gar nicht. Wir wissen als Frauen genau, dass wir nicht von Wölfen und Bären reden, wenn wir über die Angst vor dem Wald sprechen.
Es ist Männergewalt gegen Frauen.
So ein Selbstverständnis, dass es nicht mal mehr erwähnt werden muss.
Diese Männergewalt gegen Frauen ist so ein Selbstverständnis geworden, dass jede Frau, jeden Tag bewusste Entscheidungen für ihre Sicherheit trifft: wo sie wann hingeht und mit wem, wie sie sich kleidet und so weiter…
Ich habe meine Erfahrungen und Erlebnisse, die meine Entscheidungen beeinflussen.
Du hast deine…
(Ganz wichtig: Ich rede hier nicht von Angststörungen, Panikanfällen und anderen Erkrankungen. Diese gehören in therapeutische Begleitung, wie jede andere Erkrankung auch. Als Coach bin ich keine Therapeutin. Aber ich unterstütze dich gern begleitend zu deiner Therapie, vor allem beim Übergang zurück aus der Krise ‚ins normale Leben‘, da vor allem dieser Übergang selten Bestandteil einer Therapie ist.)
Warum es kein ‚weg‘ gibt für Emotionen und warum das auch gut ist. Für dich.
Wenn wir Emotionen zur Vordertür rausschicken, kommen sie zur Hintertür wieder rein. Verkleidet als Argument. Das du bis zum Anschlag diskutierst und verteidigst, ohne mit deinem Gegenüber weiter zu kommen.
Verkleidet als Gedankenkarussell. Das dich nachts wach hält. Das dich aus der Gegenwart entführt und da sein lässt ohne da zu sein.
Emotionen gehen nicht weg.
Da hilft es dir kein ‚Ach, brauchst doch keine Angst haben‘ Argument. Da hilft dir keine ‚Hab dich nicht so‘ Ansage.